Hinweise zu Probenentnahme, -transport und -lagerung

  • Allgemeine Hinweise

    • Lagerungsdauer
    • Lagerungstemperatur

  • Spezielle Hinweise (Proben)

    • Abstriche
    • Urin
    • Liquor
    • Blut ohne Zusätze
    • EDTA-Blut
    • Heparinblut
    • Biopsate
    • Rachenspülwasser
    • BAL
    • Bläschenaspirate
    • Stuhl
    • Kammerwasser

  • Spezielle Hinweise (Untersuchungsverfahren)

    • Antikörperbestimmungen
    • Elektronenmikroskopie
    • Nukleinsäurenachweise
    • Virusisolierung in Zellkultur
    • Direktnachweise

Allgemeine Hinweise

Lagerungsdauer

Proben für den Nachweis von Viren sollten immer so abgenommen und versandt werden, dass sie noch am selben Tag im Labor bearbeitet werden können. Diese Grundregel ist unabhängig von der eingesetzten Nachweismethode. Blutproben zum Antikörpernachweis sind technisch nicht so kritisch, im Sinne einer zügigen Befunderstellung sollte aber auch hier die erstgenannte Regel eingehalten werden

Grundregel 1: Proben immer am Tag der Abnahme ins Labor zur Bearbeitung!

Lagerungstemperatur

Wenn Proben noch am selben Tag zur Bearbeitung kommen, sind Lagerung und Transport bei Raumtemperatur immer ausreichend. Können Proben nicht am Tag der Abnahme verschickt werden, ist eine Lagerung bei 4oC übernacht oder für 1-2 Tage ausreichend. Proben, die noch länger gelagert werden müssen, müssen eingefroren werden.

Grundregel 2: Proben zur Anzucht von Viren niemals bei -20oC einfrieren!

 

Proben zur Anzucht von Viren müssen bei -80oC oder kälter gelagert und versandt werden (Trockeneis). Blutproben zur Antikörperbestimmung oder Proben für Nukleinsäurenachweise (wie z.B. PCR) können bei -20oC eingefroren und versandt werden.
Beachten Sie bitte: Generell nimmt die Qualität der Ergebnisse mikrobiologischer Untersuchungen durch Lagerung drastisch ab. Manche Untersuchungen sind nach Lagerung > 1 Tag letztendlich nicht mehr sinnvoll. Hierzu gehören insbesondere

  • pp65-Antigenämietest
  • Alle quantitativen PCRs auf RNA-Viren (Hepatitis C, HIV)

Spezielle Hinweise (Proben)

Abstriche

Nach Möglichkeit immer spezielle virologische Abstrichbestecke verwenden, da diese mit einem optimierten Konservierungspuffer versehen sind. Sie können diese Abstrichbestecke unter unserer Hotline anfordern. Wenn diese Abstrichbestecke nicht zur Hand sind, lassen sich auch bakteriologische Abstrichbestecke verwenden, in diesem Fall dürfen diese Tupfer aber nicht in dem bei manchen bakteriologischen Abstrickbestecken üblichen Gel verschickt werden! Achten Sie bitte weiterhin darauf, dass die Tupfer nicht austrocknen. Auf keinen Fall mit aqua ad inj. o. ä. feuchthalten sondern mit physiologischer Kochsalzlösung!

Urin

Urin möglichst kühlhalten und zügig versenden.

Liquor

Liquor ebenfalls möglichst kühlhalten und zügig versenden. Denken Sie bitte daran, für evtl. PCR-Untersuchungen separate Probengefässe zu verwenden!.

Blut ohne Zusätze

Lagerung und Transport für Antikörperbestimmungen unkritisch. Sollen PCRs auf RNA-Viren (HCV, HIV, Entero) durchgeführt werden, sind Lagerung und Transport extrem kritisch! Bitte für schnellstmöglichen Versand sorgen.

EDTA-Blut

Wird i. allg. zum Nukleinsäurenachweis verwendet. Möglichst zügig versenden, kürzere Lagerzeiten bei 4oC überbrücken. EDTA-Blut ist im allgemeinen für Antiköperbestimmungen ungeeignet!

Heparinblut

Heparinblut wird ausschliesslich zum CMV-pp65-Antigennachweis eingesetzt. Beachten Sie bitte, dass die Halbwertszeit der pp65-positiven Zellen in der Probe ca. 12 Stunden beträgt, so dass sinnvolle Ergebnisse nur bei Bearbeitung am Abnahmetag zu erwarten sind. Herparinblutproben, die über das Wochenende gelagert wurden, werden von uns ab Veröffentlichung dieser Seiten nicht mehr bearbeitet. Heparinblut ist für Antikörperbestimmungen und PCR ungeeignet!

Biopsate

Biopsate müssen in physiologischer Kochsalzlöösung feuchtgehalten werden.

Grundregel 3: Biopsate zu mikrobiologischen Untersuchungen niemals in Formalin lagern und versenden!

Wenn es auch technisch möglich ist, PCRs aus formalinisierten Gewebeproben durchzuführen, ist die Sensititivität erheblich vermindert.

Rachenspülwasser

Der Begriff Rachenspül"wasser" ist leider irreführend, da auf keinen Fall Wasser verwendet werden darf. Lassen Sie Ihre Patienten bitte mit physiologischer Kochsalzlösung gurgeln!

BAL

Denken Sie bitte daran, dass die Spülflüssigkeit keine Reste von Lokalanästethika o. ä. enthalten sollte. Da mit dem Lavagiervorgang eine deutliche Verdünnung verbunden ist, sollte die eingesandte Probenmenge grosszügig bemessen sein.

Bläschenaspirate

Bläschen sollten ohne vorherige Desinfektion der Haut mit einer dünnen Kanüle horizontal knapp über dem Bläschenansatz punktiert werden (Kanünelschliff nach oben, für den Patienten schmerzfrei!). Nach vorsichtiger Aspiration ca 0,5 ml physiologische Kochsalzlösung in die Spritze nachziehen und die Spritze fest verschlossen versenden.

Spezielle Hinweise (Untersuchungsverfahren)

Antikörperbestimmungen

Werden im allgemeinen aus Blut ohne Zusätze nach Abseren durchgeführt. Die notwendige Probenmenge richtet sich vor allem nach der Anzahl der angeforderten Paramenter und der verwendeten Testmethode (automatisierte Tests mit grossen Serien wie z.B. die Hepatitis- oder HIV-Serologie brauchen meistens ein deutlich grösseres Probenvolumen (ca. 0,3 ml/Testansatz) als manuell durchgeführte Tests (z.B. TPHA oder KBRs, 25 µl/Testansatz).
Das Hauptproblem bei Antikörperbestimmungen ist allerdings die Interpretation der Ergebnisse, insbesondere bei Erregern mit hohem Durchseuchungsgrad (s. auch unsere Infoseiten zu den einzelnen Erregern oder Krankheitsbildern)
Die reine Testdauer der meisten serologischen Tests beträgt wenige Minuten bis maximal 4 Stunden, so dass die Zeitspanne zwischen Probenentnahme und Befund weitgehend von organisatorischen Faktoren wie Probentransport und Befundübermittlung abhängt.

Elektronenmikroskopie

Hauptindikation: Diagnostik viraler Enteritiden. Proben zur Elektronenmikroskopie sollten möglichst frisch sein, da die Diagnose auf einer intakten Morphologie der Viruspartikel beruht. Nachteil der Elektronenmikroskopie ist, dass oft nur Virusgruppen erkannt werden können (z.B. sehen alle Herpesviren im Elektronenmikroskop gleich aus). Der Vorteil ist, dass es sich um ein Screeningverfahren handelt, von dem im Prinzip alle Erreger erfasst werden (im Gegensatz zu gezielten Nachweisverfahren wie der PCR).
Die reine Testdauer für die Elektronenmikroskopie beträgt im Bereich des oben gennanten Spektrums 1-1,5 Stunden, so dass die Zeitspanne zwischen Probenentnahme und Befund weitgehend von organisatorischen Faktoren wie Probentransport und Befundübermittlung abhängt.

Nukleinsäurenachweise

Nukleinsäurenachweise lassen sich technisch betrachtet aus allen Arten von Proben durchführen. Denken Sie jedoch daran, dass nur für ein relativ schmales Erregerspektrum und ein noch schmaleres Probenspektrum gut evaluierte, kommerziell erhältliche Tests zur Verfügung stehen. (Erreger: HIV, HCV, HBV, CMV, Proben: EDTA-Blut, Serum). PCRs auf andere Erreger als die hier erwähnten und aus anderen Probenmaterialien als die hier erwähnten erfordern die Entwicklung von "hauseigenen" manuellen Verfahren.
Um zu verhindern, dass in PCR-Proben Nukleinsäuren aus anderen Proben gelangen, ist es unabdingbar, dass für die PCR die Proben in gesonderte Probengefässe abgezweigt werden, aus denen keine anderen Untersuchungen durchgeführt werden(betrifft vor allem Liquor zur Meningitis/Enzephalitisdiagnostik)!
Die reine Testdauer für Nukleinsäurenachweise beträgt mindestens 4 Stunden (für kommerzielle automatisierte Tests) und kann bei manuellen Verfahren bis zu drei Tagen gehen. Aufgrund des personellen Aufwands können PCRs in der laufenden Routine nur an bestimmten Tagen in der Woche durchgeführt werden, so dass hier generell für die Testbearbeitung im Schnitt zwei Tage veranschlagt werden müsen. Dringende PCRs (wie z.B. PCRs bei Meningitis/Enzephalitis) sollten daher mit unserer Hotline abgesprochen werden.

Virusisolierung in Zellkultur

Proben zur Virusisolierung in Zellkultur sollten unbedingt so frisch wie möglich sein. Für die Akutdiagnostik ist die Virusisolierung (mit Ausnahmen) ungeeignet, da die Anzuchtdauer bei allen Erregern generell zwei Tage, meistens jedoch deutlich länger beträgt. Viele Viren lassen sich mit den routinemässig vorhandenen Zellinien nicht anzüchten. Dennoch ist die Virusanzucht als virologisches Basisverfahren unverzichtbar, da

  1. Viren nachgewiesen werden können, die in der gezielten Diagnostik nicht erfasst werden,
  2. nur mit Virusisolaten Epidemiologie betrieben werden kann (Resistenzentwicklungen, Impfstoffentwicklung bei Influenza A)

Bei der Virusisolierung beträgt die Zeitspanne zwischen Probenentnahme und abschliessendem Befund aus o.g. Gründen bis zu 3 Wochen.

Direktnachweise

Der sog. "Direktnachweis" von Viren beruht auf dem Nachweis viraler Proteine im Untersuchungsmaterial. Die hierfür eingesetzten Untersuchungsverfahren basieren meistens entweder auf ELISA- oder Immunfluoreszenztechniken. Auf Immunfluoreszenzbasis steht ein relativ breites Spektrum von Tests zur Verfügung (die komplette Palette aller respiratorischen Erreger), diese Tests haben jedoch den Nachteil, dass sie zur Beurteilung hochqualifiziertes und erfahrenes Personal benötigen. Der Hauptnachteil besteht jedoch darin, dass in der Probe eine ausreichende Anzahl intakter Zellen vorhanden sein muss, so dass allein aufgrund der Probenqualität ein Teil der Proben für diese Techniken nicht in Frage kommt. Antigennachweise auf ELISA-Basis sind wesentlich einfacher durchzuführen und die Ergebnisse sind messtechnisch objektivierbar. Das Vorhandensein intakter Zellen in der Probe ist ebenfalls kein kritischer Punkt. Leider stehen für diese Technik nur ein schmales Spektrum an Erregern zur Verfügung (routinemässig: Hepatitis B s-Ag im Serum, Influenza A und B (Abstriche), RSV (Nasensektret, Abstriche), Adenovirus (in Stuhl), Rotavirus (im Stuhl)). Beachten Sie bitte, dass für Direktnachweise aus Abstrichen spezielle, vom Testhersteller geforderte Abstrichbestecke erforderlich sind (Sie können diese unter unserer Hotline anfordern).