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Trotz oder wegen der Immunerkrankung? Warum Christian Larmann auf die Grippeimpfung setzt

Elektroinstallateur Christian Larmann ist vor der Arbeit ans UKM gekommen, um sich gegen Grippe impfen zu lassen. Für den 48-Jährigen mit einer Erkrankung des Immunsystems gehört der Impfschutz seit Jahren dazu. Viele Menschen mit entzündlichen Immunerkrankungen befürchten dagegen, eine Impfung könnte einen Krankheitsschub auslösen. UKM-Rheumatologin Priv.-Doz. Rebecca Hasseli-Fräbel lieferte in diesem Jahr beruhigende Studiendaten und empfiehlt die Grippeimpfung ausdrücklich auch für Immunerkrankte. | aw

Ungefähr alle vier Wochen schwellen Christian Larmanns Gelenke an und werden steif, besonders an Knien, Handgelenken und Fingern. Seit 2017 geht das so. Für den Elektroinstallateur, der täglich körperlich arbeitet, bedeutet das eine erhebliche Einschränkung. Immer wieder musste er sich krankschreiben lassen. „Zum Glück zeigt mein Arbeitgeber großes Verständnis und ermöglicht es mir, notwendige Termine auch während der Arbeitszeit wahrzunehmen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn das ist nicht selbstverständlich“, so Larmann. Auch in seiner Freizeit, als freiwilliger Feuerwehrmann, ist er darauf angewiesen, sich auf seinen Körper verlassen zu können.

2019 stellte sich Larmann erstmals in der rheumatologischen Ambulanz der Medizinischen Klinik D am UKM (Universitätsklinikum Münster) vor. Zahlreiche Behandlungsversuche lagen hinter ihm. Andernorts verordnete Antirheumatika hatten nicht geholfen. Am UKM erhält er inzwischen den entzündungshemmenden Wirkstoff Etoricoxib. „Das lindert meine Beschwerden zuverlässig innerhalb einer Stunde“, sagt er. So kann er weiterarbeiten und ist froh, am UKM die richtige ärztliche Versorgung gefunden zu haben.

Die Ursache der Entzündungen sucht Hasseli-Fräbel weiterhin: „Vieles spricht bei Herrn Larmann für eine Erkrankung des Immunsystems. Es gibt Menschen mit entzündlichen Beschwerden, deren Erkrankung sich keinem bekannten rheumatologischen Krankheitsbild eindeutig zuordnen lässt. Aber auch ohne abschließende Diagnose können wir die Betroffenen begleiten und ihre Beschwerden gezielt behandeln“, erklärt die Rheumatologin.

Zur Betreuung gehört die Impfberatung. Menschen mit rheumatischen Erkrankungen können durch Infektionen besonders gefährdet sein – durch die Grunderkrankung und durch Therapien, die die Immunabwehr dämpfen. Influenzaviren können bedrohliche Komplikationen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankheitsschübe der rheumatuschen Erkrankung auslösen. Dennoch verzichten manche Betroffene aus Sorge vor einer Verschlechterung ihrer Grunderkrankung auf die Grippeimpfung. „Der Grippeimpfstoff ist ein Totimpfstoff, der das Immunsystem anregt, gezielt Abwehrkräfte gegen Grippeviren aufzubauen, ohne selbst eine Grippe auslösen zu können. Trotzdem müssen wir Bedenken ernst nehmen und im Gespräch aufgreifen“, sagt Hasseli-Fräbel. „Gerade Menschen, die mit wiederkehrenden Schüben leben, möchten verständlicherweise alles vermeiden, was ihre Beschwerden verstärken könnte.“

Zur Verträglichkeit der Impfung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen lieferten Hasseli-Fräbel und weitere Forschende Anfang dieses Jahres Daten aus einer bundesweiten Studie mit 633 Erwachsenen. Die Teilnehmenden berichteten online über ihre Grippeimpfung der Saison 2023/24 und wurden nach sechs Monaten erneut befragt. Rund 95 Prozent gaben keinen Krankheitsschub nach der Impfung an. Etwa fünf Prozent berichteten über einen Schub; bei rund einem Prozent musste die Therapie angepasst werden. „Das sind aber nicht mehr Fälle mit Krankheitsrückfall, als wir in diesem Beobachtungszeitraum auch ohne Impfung gehabt hätten“, erklärt Hasseli-Fräbel. Rund neun Prozent berichteten in der Nachbeobachtung von einer Influenza trotz Impfung, allerdings ohne schweren Verlauf. „Auch das ist ein Argument für die Impfung“, so Hasseli-Fräbel, denn Immunerkrankte ohne Impfung haben ein höheres Risiko einen schweren Verlauf einer Influenza zu entwickeln.

„Eine entzündliche Immunerkrankung ist also grundsätzlich kein Grund, auf die empfohlene Grippeimpfung zu verzichten“, folgert Hasseli-Fräbel. 

„Im Gegenteil: Für viele Betroffene ist der Schutz vor Infektionen besonders wichtig. Deshalb sollten alle Betroffenen den Impfstatus sowohl in den rheumatologischen Ambulanzen und Praxen als auch in den Hausarztpraxen regelmäßig ansprechen.“ 

Das gelte für nahezu alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen. Bei Lebendimpfstoffen seien jedoch die Erkrankung und eine mögliche immundämpfende Therapie zu berücksichtigen.

Christian Larmann fährt an diesem Morgen weiter zur Arbeit. Ob er eine Impfreaktion befürchte? Er schüttelt den Kopf: „Ein bisschen geschwollen rund um die Einstichstelle, sonst passiert da nichts“, sagt er. Als freiwilliger Feuerwehrmann sei das Abwägen von Risiko und Nutzen für ihn immer auch eine Frage der persönlichen Einstellung.

Kontakt für Presseanfragen

Anja Wengenroth | UKM-Unternehmenskommunikation

Anja Wengenroth

Pressesprecherin