Darmkrebs: Neue Wege für eine schnellere Genesung
Rund 55.000 Menschen erhalten jährlich in Deutschland die Diagnose Darmkrebs. Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen bei älteren Patientinnen und Patienten dank Früherkennungsmaßnahmen zurückgeht, bleibt die Erkrankung eine der häufigsten Tumorarten. Bei jungen Menschen wird sie sogar häufiger diagnostiziert als früher. Für viele Betroffene ist eine Operation ein entscheidender Schritt – verbunden mit Sorgen, Unsicherheit und der Frage, wie schnell man danach wieder auf die Beine kommt. Am WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster am UKM (Universitätsklinikum Münster) setzt man deshalb auf ein international etabliertes Konzept, das genau hier ansetzt: ERAS, kurz für „Enhanced Recovery After Surgery“, also eine beschleunigte Erholung nach der Operation. | lie
ERAS bedeutet, dass wir die Patientin oder den Patienten nicht erst am Tag der Operation betrachten, sondern schon viel früher“, erklärt Sabrina Lasar, Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie ERAS-Nurse am UKM.
„Wir schauen uns Ernährungsstatus und Mobilität an und überlegen: Was können wir vor der OP verbessern? Denn je besser jemand vorbereitet ist, desto schneller kommt er auch danach wieder in den Alltag zurück.“
Das Konzept beginnt also nicht im OP-Saal, sondern bereits im Vorgespräch – mit Aufklärung, Beratung und dem gemeinsamen Ziel, die Genesung aktiv zu unterstützen.
Auch Prof. Benjamin Strücker, stellvertretender Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Leiter des Bereichs Darmchirurgie, sieht in ERAS einen entscheidenden Wandel:
„Wir definieren schon vor der Operation gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten Zie-le. Nach einer Darmoperation kann das bedeuten, dass viele bereits nach we-nigen Tagen wieder nach Hause gehen können – nicht, weil man sie schnel-ler entlassen möchte, sondern weil es ihnen wirklich besser geht.“
Statt tagelanger Bettruhe und langer Nahrungspausen setzt ERAS auf eine möglichst schonende Behandlung und frühe Aktivierung. Dazu trägt auch die roboterassistierte Chirurgie bei: Durch besonders präzise und gewebeschonende Eingriffe können Patientinnen und Patienten oft schneller wieder mobil werden. „Die Patienten wachen in der Regel nur mit einem kleinen Zugang im Arm auf – nicht mit vielen Schläuchen“, beschreibt Strücker. Drainagen oder Magensonden werden vermieden, Schmerzen gezielt behandelt und Übelkeit früh verhindert. Auch das Essen spielt eine zentrale Rolle: Statt langer Nahrungspausen beginnt der Kostaufbau oft schon am Tag der OP, um den Darm schnell wieder in Gang zu bringen.
Besonders wichtig ist dabei die Mobilisation. „Nicht wie früher Bettruhe und erst einmal drei Wochen Schonung“, betont Lasar. „Sondern: am Tag der Operation einmal mit Unterstützung aufstehen, am nächsten Tag die ersten Run-den über die Station gehen – und am zweiten Tag vielleicht schon Treppen steigen.“ Um die Patientinnen und Patienten zusätzlich zu motivieren, wurden auf den Stationen sogar sogenannte Walking Trails entwickelt: QR-Codes führen zu kleinen digitalen Rundwegen mit interessanten Informationen über Münster – eine Idee, die direkt aus dem multiprofessionellen Team entstanden ist.
Das Konzept ist am UKM dabei nicht nur in der Darmchirurgie verankert, sondern wird zudem bereits sehr erfolgreich bei Eingriffen an Leber und Bauchspeicheldrüse sowie in Kürze auch in der Speiseröhren-, Magen- und Transplantationschirurgie angewendet. Im Zentrum steht der Teamansatz: Chirurgie, Anästhesie, Pflege, Physiotherapie, Ernährungsmedizin und Sozialdienst arbeiten eng abgestimmt zusammen. Die ERAS-Nurses nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein – sie begleiten die Patientinnen und Patienten durch alle Phasen der Behandlung und sorgen als verbindendes Element dafür, dass der Austausch zwischen den beteiligten Bereichen und Berufsgruppen reibungslos funktioniert. Die einzelnen Maßnahmen werden täglich dokumentiert und ausgewertet. So lässt sich tagesaktuell erkennen, wo Prozesse gut funktionieren – und wo nachgesteuert werden muss.
„Das sorgt dafür, dass die Qualität messbar steigt“, so Strücker. „Am Ende bedeutet das vor allem eines: Patientinnen und Patienten kommen nach der Operation schneller wieder zu Kräften. Es geht darum, dass sie sich schneller erholen und dadurch rascher wieder in ihren Alltag zurückfinden.“
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Anja Wengenroth
Pressesprecherin

