Leben mit Eierstockkrebs: Ausstellung am UKM zeigt starke Frauen
Eierstockkrebs ist selten – wird aber häufig erst erkannt, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Mit der Ausstellung „Ich lebe!“ setzt das UKM rund um den Welt-Eierstockkrebs-Tag am 8. Mai ein Zeichen der Sichtbarkeit und Zuversicht: Die Foto-Kampagne der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs zeigt Frauen, die ihren eigenen Weg mit der Diagnose gefunden haben. Ihre Geschichten machen deutlich, was medizinischer Fortschritt und persönliche Stärke gemeinsam bewirken können. | lwi
„Ich lebe!“ – zwei Worte, die für Frauen mit Eierstockkrebs alles bedeuten. Anlässlich des Welt-Eierstockkrebs-Tages am 8. Mai macht derzeit eine besondere Ausstellung – mit selbigem Titel – genau diese Botschaft am UKM (Universitätsklinikum Münster) sichtbar: Im Atrium der Zahnklinik werden auf zehn großen Roll-Ups Fotos von langzeitüberlebenden Frauen gezeigt und ihre Geschichten vorgestellt. Persönliche Portraits, die zeigen, was die Betroffenen während ihrer Therapie motiviert und ihnen Kraft gegeben hat.
„Wir freuen uns sehr, dass wir die Foto-Kampagne und Wanderausstellung ,Ich lebe!´ der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs nach Münster holen konnten, um Betroffenen Mut zu machen“, sagt Prof. Lars Hanker, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM.
Eierstockkrebs ist vergleichsweise selten. Erkranken an Brustkrebs jährlich rund 75.000 Frauen, liegt die Zahl bei Eierstockkrebs bei nur etwa 7500. Aber: Eierstockkrebs wird in der Regel erst spät, im fortgeschrittenen Stadium, erkannt, was ihn zu einer „stillen“ und schweren Krebserkrankung macht.
„Es gibt schlicht noch keine guten Früherkennungsmethoden“, sagt Hanker. Die klassischen Vorsorgeprogramme bei niedergelassenen Frauenärztinnen und -ärzten beziehen sich auf andere gynäkologische Krebserkrankungen. „Abstriche wie etwa für Tests auf Gebärmutterhalskrebs oder eine Mammografie wie beim Brustkrebs gibt es hier einfach nicht“, so Hanker weiter.
Auch Ultraschalluntersuchungen geben keinen ausreichenden Aufschluss, weil dort häufig viele – in der Regel gutartige – Zysten zu sehen sind, die sich früh nicht sicher von bösartigen unterscheiden lassen. Auch Tumormarker-Analysen, so haben Studien gezeigt, haben keinen Erfolg in der frühzeitigen Erkennung.
„Ein typischer Verlauf zeigt sich für uns darin, dass Frauen häufig zunächst wegen Unregelmäßigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang sowie einer Zunahme von Gewicht sowie des Bauchumfangs vorstellig werden“, berichtet Hanker aus dem Klinikalltag. Gerade letztere Symptome haben auch damit zu tun, dass ein Tumor im kleinen Becken zunächst viel Platz für eine Vergrößerung hat, bevor er symptomatisch wird. Umso wichtiger ist es die zuerst genannten Veränderungen ernst zu nehmen da Sie oft zu den frühesten Anzeichen der Erkrankung gehören.
Bei über zehn Prozent der Frauen mit Eierstockkrebs ist dieser genetisch bedingt. Wird eine genetische Mutation als Ursache identifiziert, kann ein Test der Gene BRCA1 und BRCA2 für weitere Familienmitglieder sinnvoll sein, da er Aufschluss über ein höheres Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs gibt. „Bei gewissen Familienkonstellationen an Erkrankungshäufigkeiten, z.B. ein Eierstockkrebs und ein Brustkrebsfall oder mehrere Brustkrebsfälle in einer Familie, ist ein Test durch einfache Blutentnahme in unserem Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs sinnvoll, um das eigene Risiko zu kennen und frühzeitig handeln zu können“, rät Hanker.
Für bereits Betroffene ist aktuell in den allermeisten Fällen eine größere Bauchoperation nötig, bei der es besonders wichtig ist, den Tumor möglichst komplett zu entfernen und keine Herde, etwa auf der Leber oder dem Darm zu übersehen. „Das gelingt uns hier durch interdisziplinär und interprofessionelle Zusammenarbeit aller Beteiligten aus Chirurgie, Urologie, Anästhesie und auch perioperativ durch die neu etablierte Stelle einer ERAS-Nurse, die Patientinnen vor der OP, während des stationären Aufenthaltes (auch auf der Intensivstation) und auch danach kontinuierlich betreut. So können wir die Frauen oft tumorfrei operieren, die Erholung beschleunigen und dadurch optimale Behandlungsergebnisse erzielen“, sagt Hanker. Und die interventionellen Möglichkeiten entwickeln sich stetig weiter. So gibt es für frühe Krankheitsstadien bereits Ansätze, operative Eingriffe minimalinvasiv und mit robotischer Unterstützung durchzuführen und Operationen noch präziser und für Patientinnen weniger belastend zu gestalten
Auch in der Diagnostik gibt es Fortschritte: Neue bildgebende Verfahren wie etwa das Total-Body-PET-CT, das das UKM kürzlich als eines von wenigen Krankenhäusern in Deutschland erhalten hat, können dabei helfen, die Ausbreitung von Tumoren deutlich genauer zu erkennen – sowohl vor einer Operation als auch bei der Kontrolle im weiteren Krankheitsverlauf.
Es gibt also viele gute Gründe für Zuversicht – medizinische wie ganz persönliche. Genau diese Zuversicht rückt die Ausstellung „Ich lebe!“ in den Fokus, indem die porträtierten Frauen zeigen, dass es auch bei einer schweren Diagnose Wege gibt, die Erkrankung zu besiegen.
Die Ausstellung ist ab sofort (und bis Anfang Juli) zu sehen im Atrium des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Waldeyerstraße 30, 48149 Münster
Weitere Informationen: https://www.fototour-ich-lebe.de/hintergrund/
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