Umweltbelastung medizinischer Behandlungen wird erstmals umfassend analysiert
Der Bedarf an einem nachhaltigeren Gesundheitswesen wächst – grenzüberschreitend und zunehmend dringlich. Mit dem Start des EU Interreg-Projekts ELFI, an dem sich das UKM als Partner maßgeblich beteiligt, wird ein neuer Ansatz verfolgt, um Auswirkungen des Gesundheitssystems auf die Umweltbelastung erstmals systematisch zu analysieren. Ziel des Projekts ist es, die Umweltbelastung medizinischer Behandlungen transparenter zu machen und damit einen Beitrag zur Reduktion von Emissionen und Ressourcenverbrauch im Gesundheitswesen zu leisten. | lwi

Ob Energieverbrauch oder Abfallaufkommen – in der medizinischen Behandlung gibt es viele Faktoren, die Einfluss auf die Umwelt und damit auch auf die Wirtschaftlichkeit der Behandlung haben. Sie zu identifizieren ist die Aufgabe eines seit Dezember 2025 aktiven Konsortiums aus mehreren niederländischen und deutschen Gesundheitsplayern, die sich im Rahmen des Projektes ELFI (EcoLogical Framework for Medical Interventions) zusammengeschlossen haben. Die Führung des mit rund drei Millionen Euro geförderten Interreg-Projektes liegt beim Radboud Universitair Medisch Centrum (UMC) in Nijmegen. Weitere Projektpartner sind SHARE TO CARE, Patientenzentrierte Versorgung GmbH, Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG), SteriNoord B.V., PATIENT+ B.V., Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.V., Stichting Bekkenbodem4All, FH Münster sowie das Universitätsklinikum Münster (UKM).
„In den kommenden dreieinhalb Jahren wollen wir eine Strategie zur systematischen Erfassung, Bewertung und Reduktion von Umweltbelastungen im Gesundheitswesen erarbeiten“, fasst Dr. Beate Rottkemper, Leitung der Stabsstelle Nachhaltigkeitsmanagement am UKM, das Vorhaben zusammen.
Ein Schritt der dringend notwendig ist, beachtet man, dass das Gesundheitswesen mit fünf bis sieben Prozent zu den CO2-Emissionen in den Niederlanden und in Deutschland beiträgt. „Wir fokussieren uns bei unserer Arbeit auf drei häufige, nicht lebensbedrohliche Erkrankungen, für die laut Leitlinien mehrere Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen“, beschreibt Dr. Kristin Heshe aus der Stabsstelle des Ärztlichen Direktors, die gemeinsam mit Rottkemper und Leonie Friedrich von UKM International/Team 360° das interprofessionelle Projektteam bildet, den Ansatz des Projektes. Untersucht werden so etwa die unterschiedlichen Umweltwirkungen von Lebensstilanpassungen, medikamentösen Therapien, Physiotherapie und operativen Eingriffen. Ein Ziel für die Zukunft könnte sein, bestehende medizinische Entscheidungshilfen um Daten zur Umweltbelastung unterschiedlicher Therapieoptionen zu ergänzen. Patientinnen und Patienten könnten ökologische Aspekte ihrer Behandlung dadurch transparent einsehen, das medizinische Fachpersonal bekommt zusätzlich viele Informationen über die Umweltbelastung der einzelnen Behandlungen. „Mit ELFI wird ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Gesundheitssysteme in unserer Grenzregion geleistet“, sagt der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Prof. Alex W. Friedrich.
„Das Projekt verbindet höchste medizinische Qualität, Patientenzentrierung und ökologische Verantwortung und stärkt damit die Resilienz von Menschen und Versorgungssystemen sowie die grenzübergreifende Zusammenarbeit.“
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