App für die Diagnose von Schluckstörungen entwickelt
Das Klinikum Osnabrück und das UKM treiben gemeinsam die Digitalisierung in der Medizin voran: Mit der neu entwickelten FEES-App steht Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Fachkräften eine digitale Anwendung zur Verfügung, die die Durchführung und Dokumentation fiberendoskopischer Schluckuntersuchungen (FEES – fiberendoskopische Evaluation des Schluckens) unterstützt. | Klinikum Osnabrück

Schluckstörungen (Dysphagien) sind eine häufige Begleiterscheinung neurologischer Erkrankungen und erfordern eine hohe fachliche Expertise. „Mit der FEES-App bringen wir unsere langjährige wissenschaftliche Arbeit unmittelbar in den klinischen Alltag“, erklärt Prof. Dr. Rainer Dziewas, Leiter des Dysphagiezentrums Münster-Osnabrück mit Sitz am Klinikum Osnabrück. „Unser Ziel war es, die Diagnostik von Schluckstörungen zu standardisieren, die Qualität der Befundung weiter zu verbessern und gleichzeitig den Arbeitsaufwand für die Behandelnden deutlich zu reduzieren.“
Während einer FEES werden Patientinnen und Patienten mit flüssigen, halbfesten und festen Konsistenzen untersucht. Mithilfe eines über die Nase eingeführten Endoskops beurteilen die Behandelnden unter anderem Schluckbewegungen, Schutzreflexe und die Funktion verschiedener anatomischer Strukturen. Zusätzlich fließen Grunderkrankungen sowie weitere klinische Befunde in die Bewertung ein.
Wissenschaftliche Expertise trifft digitale Innovation
Die neu entwickelte FEES-App basiert auf mehr als 20 Jahren gemeinsamer Forschung der beteiligten Expertinnen und Experten sowie den Erkenntnissen aus 30 wissenschaftlichen Studien. Die App führt in zwölf Schritten durch die FEES-Untersuchung, ermöglicht die direkte digitale Dokumentation und erstellt aus den eingegebenen Beobachtungen eine strukturierte Befundvorlage mit wissenschaftlich hinterlegten Klassifikationen. Sie erstellt keinen eigenständigen medizinischen Befund und ersetzt keine klinische Entscheidung; die abschließende Befundung sowie die Ableitung diagnostischer oder therapeutischer Konsequenzen bleiben ausdrücklich Aufgabe der Behandelnden.
Durch die digitale Dokumentation kann der Zeitaufwand für Auswertung, Dokumentation und Arztbrief deutlich reduziert werden. Gleichzeitig erleichtert die App die Zusammenarbeit zwischen den behandelnden Fachdisziplinen und macht die Expertise der Dysphagiezentren in Osnabrück und Münster auch über die beiden Standorte hinaus verfügbar.
„Innovationen entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie konkrete Herausforderungen in der Patientenversorgung lösen“, betonen die Geschäftsführer des Klinikums Osnabrück, Frans Blok und Klaus Beekmann. „Deshalb fördern wir gezielt Projekte, bei denen medizinische Expertise, Wissenschaft und digitale Entwicklung zusammenkommen. Die FEES-App zeigt eindrucksvoll, wie durch die Zusammenarbeit regionaler Partner praxistaugliche Lösungen entstehen, die die Versorgungsqualität verbessern und den Arbeitsalltag unserer Mitarbeitenden erleichtern.“
„Gerade im Gesundheitswesen zeigt sich, wie wertvoll die enge Zusammenarbeit zwischen IT-Fachkräften und Medizinerinnen und Medizinern ist“, sagt Oleksandr Kotsyuba vom Lingener Softwareunternehmen Linvelo@BITECC, das die technische Umsetzung übernommen hat. „Wenn klinische Expertise und technische Umsetzung früh zusammenkommen, entstehen digitale Werkzeuge, die verlässlich, anwenderfreundlich und nah am Versorgungsalltag sind. Genau darin liegt eine große Chance der Digitalisierung.“
Auch Ingo Mette, Leiter Services und Technologien des Klinikums Osnabrück, sieht in dem Projekt einen richtungsweisenden Ansatz und lobte die App als sinnvolles Vorhaben für die Digitalisierung im Gesundheitswesen, das großes Potenzial für Qualitätsverbesserungen und Arbeitserleichterung im klinischen und außerklinischen Einsatz habe.
Prof. Seven G. Meuth: „Wertvolles Hilfsmittel“
Prof. Dr. Sven G. Meuth, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster (UKM) und stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), sieht in der FEES-App ein „wertvolles Hilfsmittel“ für die neurologische Versorgung:
„Dysphagien sind ein klinisch hochrelevantes Problem, insbesondere bei neurologischen Erkrankungen, und ihre strukturierte Diagnostik entscheidet maßgeblich über Sicherheit, Therapieplanung und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten. Die App verbindet wissenschaftliche Standards mit einem praktikablen digitalen Werkzeug für den klinischen Alltag und kann dazu beitragen, Expertise breiter verfügbar zu machen. Deshalb halte ich es für sinnvoll, dieses Projekt auch über die Fachgesellschaft einer breiten Fachöffentlichkeit vorzustellen.“
Entwicklung und Weiterentwicklung
Entwickelt wurde die Software nach den fachlichen Vorgaben von Prof. Dr. Rainer Dziewas und Prof. Dr. Tobias Warnecke vom Klinikum Osnabrück, Prof. Dr. Sonja Suntrup-Krüger vom Universitätsklinikum Münster und weiteren Kolleginnen und Kollegen. Die technische Umsetzung übernahm das Lingener Softwareunternehmen Linvelo@BITECC.
Aktuell befindet sich die App in einer offenen Beta-Testphase. Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender sollen in die Weiterentwicklung einfließen. Langfristig ist geplant, die Software über wissenschaftliche Fachgesellschaften und klinische Netzwerke national und international zu verbreiten, um die Expertise der Dysphagiezentren in Osnabrück und Münster noch mehr Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Kontakt für Presseanfragen

