Ein Blick in den gesamten Körper: UKM weiht neues Total-Body-PET-CT ein
Mit der Inbetriebnahme des neuen Total-Body-PET-CT setzt das UKM einen Meilenstein in Diagnostik und Forschung. Die bildgebende Technologie macht Stoffwechselprozesse und molekulare Signale im gesamten Körper sichtbar – schneller, genauer und schonender für Patientinnen und Patienten. Damit eröffnen sich nicht nur neue Möglichkeiten in der Krebsmedizin, sondern auch völlig neue Perspektiven für die Erforschung komplexer Krankheitszusammenhänge. | lwi
Es ist die bislang größte Eigeninvestition in ein medizinisches Gerät am UKM (Universitätsklinikum Münster): Am Dienstag hat die Klinik für Nuklearmedizin ihr neues Total-Body-PET-CT im Rahmen eines Rundgangs samt anschließender Eröffnungsveranstaltung feierlich eingeweiht. Das Gerät in Münster ist damit eines von aktuell nur fünf in ganz Deutschland.
Doch was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Total-Body-PET-CT überhaupt? PET steht in diesem Fall für „Positronen-Emissions-Tomografie“, die mithilfe injizierbarer, schwach radioaktiver Substanzen, sogenannter Tracer, verschiedenste Stoffwechselprozesse und molekulare Signale innerhalb des Körpers sichtbar macht, z.B. zur Erkennung von Tumoren und Metastasen im ganzen Körper. Kombiniert wird das PET mit einem High-End Computertomographen (CT). Dabei werden Schichtbilder der Organe und Strukturen aus dem Körperinneren durch Röntgenstrahlen erzeugt, die mit dem molekularen Signal des PET überlagert werden. Die Kombination aus PET und CT ermöglicht es also einfach gesagt nicht nur, zu sehen, was sich im Körper befindet, sondern auch, was darin wo passiert. Um die maximale Expertise für PET und CT zusammenzubringen, wird das PET-CT am UKM mit der Klinik für Radiologie (Kommissarische Leitung: Privat-Dozent Dr. Michael Köhler) gemeinsam betrieben. Dort kümmert sich Oberarzt Privat-Dozent Philipp Schindler in leitender Funktion um den eigenen Bereich der Hybridbildgebung.
Was ist das Besondere an einem Total-Body-PET-CT? Während in bisher genutzten PET-CTs lediglich 15 bis 20 Zentimeter des Körpers in axialer Richtung gleichzeitig abgebildet werden können, deckt das neue Total-Body-PET-CT jetzt 106 Zentimeter und damit den Rumpf mit allen inneren Organen einschließlich des Gehirns zeitgleich ab.
„Molekulare und zelluläre Prozesse, die wir bisher nur bruchstückhaft erfassen konnten, lassen sich nun im Gesamtsystem Mensch dynamisch und mit beeindruckender Präzision darstellen“, fasst Prof. Michael Schäfers, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am UKM, die neue Dimension der Technik zusammen.
Als diagnostisches Verfahren ist das neueste PET-CT damit von großer Bedeutung für viele medizinische Bereiche, wie etwa die Onkologie, die Neurologie oder die Kardiologie.
Vorteile für Patientinnen und Patienten
Für Patientinnen und Patienten bedeutet der Einsatz des Total-Body-PET-CT eine präzisere Diagnostik bei gleichzeitig deutlich geringerer Strahlenexposition sowie enorm verkürzten Untersuchungszeiten – und noch mehr, wie Prof. Philipp Backhaus, Oberarzt und Leiter der Bildgebung der Klinik für Nuklearmedizin, ergänzt:
„Gleichzeitig wird auch ein Sprung in der individualisierten, auf den Patienten abgestimmten, Therapie möglich, da wir mit einer Ganzkörperverteilung den Erfolg unserer radioaktiven, aber auch anderer Therapien besser steuern und vorhersagen können.“
Zudem ermöglicht das Total-Body-PET-CT eine gezieltere Bewertung des Behandlungserfolgs im Nachgang.
Auch für die klinische Forschung ergeben sich neue Perspektiven, da komplexe Zusammenhänge im gesamten Körper erstmals ganzheitlich und gleichzeitig sichtbar gemacht werden können. „Die Interaktion zwischen Organen, Zellen und molekularen Signalwegen im gesunden und erkrankten Menschen wird quasi live im ganzen Körper sichtbar“, sagt Schäfers. Er weiß um den großen Fortschritt der Technik. Seit den frühen Tagen des PETs in Deutschland, in den 1990er-Jahren, ist er in das Thema involviert und erinnert sich, dass anfangs nicht einmal ein relativ kleines Organ wie das Herz in Gänze zu erfassen war. „Heute sprechen wir nicht mehr von einem Gesichtsfeld von zehn Zentimetern, sondern von ein bis zwei Metern verbunden mit völlig neuen mathematischen Modellierungsmöglichkeiten der dynamischen Verteilung der Tracer im ganzen Körper“, sagt Schäfers, der daher nicht nur als Arzt, sondern auch als Wissenschaftler gespannt auf den Beginn dieser neuen Ära am UKM blickt.
Großer Andrang beim Rundgang
Alle Bilder: UKM/Wibberg
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