Gemeinsam gegen komplexe Infektionen
Wenn Infektiologinnen und Infektiologen, Mikrobiologinnen und Mikrobiologen sowie Hygiene- und ABS-Expertinnen und -Experten gemeinsam auf einen Fall schauen, profitieren davon vor allem die Patientinnen und Patienten. Genau darum geht es bei der „Interdisziplinären mikrobiologischen Visite“, die seit April 2023 regelmäßig am UKM stattfindet. Beteiligt sind das Institut für Medizinische Mikrobiologie, die Klinische Infektiologie der Medizinischen Klinik B sowie das ABS-Team des Instituts für Hygiene.

Im Mittelpunkt der wöchentlichen Treffen stehen komplexe Infektionsfälle. Gemeinsam besprechen die Beteiligten Diagnostik, Therapie und mögliche weitere Schritte – von der richtigen Probenentnahme bis zur gezielten antibiotischen Behandlung. Die besondere Stärke des Formats liegt dabei in der Verbindung unterschiedlicher Perspektiven. „Wir betrachten die infektiologischen Fragestellungen sowohl aus Sicht des Erregers als auch aus Sicht des Patienten“, erklärt Prof. Frieder Schaumburg, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie. „Dadurch können wir Diagnostik und Therapie deutlich präziser und individueller gestalten.“ Gerade bei schwer erkrankten Patientinnen und Patienten sei dieser enge Austausch entscheidend. Nicht selten zeige sich in den gemeinsamen Besprechungen, dass diagnostische Möglichkeiten noch nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Gleichzeitig ermögliche die direkte Rückkopplung zwischen Klinik und Labor eine passgenaue Erweiterung der Antibiotika-Empfindlichkeitstestung. „Bei kritisch kranken Patienten können wir durch die enge Abstimmung besonders schnell reagieren und diagnostische Verfahren gezielt einsetzen“, so Schaumburg. Darüber hinaus trägt das Format dazu bei, einheitliche Empfehlungen zur Antibiotikatherapie und zu diagnostischen Abläufen am UKM zu etablieren. Dies gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Antibiotikaresistenzen an Bedeutung. „Durch die Optimierung der Antibiotikatherapie leisten wir einen weiteren Beitrag zur Eindämmung von Resistenzen“, betont Schaumburg. „Wichtig ist dabei, dass wir unsere Empfehlungen fachübergreifend abstimmen.“ Die Beteiligten engagieren sich zudem im regionalen „Weiterbildungskonsortium Klinische Infektiologie Westfalen-Lippe“ unter Leitung von Dr. Julia Fischer aus der Medizinischen Klinik B. Gemeinsam mit Standorten in Bielefeld, Bochum und Dortmund werden dort infektiologische Fälle diskutiert und Weiterbildungsmöglichkeiten ausgebaut. Wie eng die Zusammenarbeit inzwischen funktioniert, zeigt auch ein aktuelles Beispiel: „Proben eines Patienten aus Bielefeld wurden zur weiteren Diagnostik an die Mikrobiologie des UKM geschickt. Gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut konnte schließlich die seltene Infektion Tularämie – auch als Hasenpest bekannt – nachgewiesen werden.“
