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Hand in Hand für den Erfolg: Wieso Frühmobilisierung für Intensivpatienten so wichtig ist

Die Atemwege befreien oder trotz vieler Schläuche aufstehen: Am UKM arbeitet das Team der Physiotherapie auf der Intensivstation rund um die Uhr, um Komplikationen bei schwerkranken Patientinnen und Patienten aufgrund von Bettlägerigkeit vorzubeugen. Außerdem unterstützt die Mobilisierung einen möglichst optimalen Übergang bei der Verlegung auf die Normalstation und ist damit ein wichtiger Baustein, dass Patientinnen und Patienten zurück ins Leben finden. | ik

Man könnte denken, dass schwerkranke Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation möglichst viel Ruhe brauchen. Aber Bettlägerigkeit und Immobilisation bringen erhebliche Nachteile mit sich: Schon nach wenigen Tagen verlieren Betroffene viel Kraft und kommen nur schwer wieder auf die Beine. „Physiotherapie beginnt schon auf der Intensivstation, meistens direkt am Aufnahmetag“, sagt Dr. rer. medic. Jochen Bräunig, Physiotherapeut und Medizinwissenschaftler am UKM (Universitätsklinikum Münster). Zwei Schwerpunkte stehen dabei im Vordergrund: Die Erhaltung wichtiger physischer Grundfunktionen und die Förderung von Mobilität und Atmung ohne Hilfsmittel. All das geschieht mit dem Ziel, die Patientinnen und Patienten so zu stabilisieren, dass sie von der Intensivstation auf die Normalstation verlegt werden können, um dort den weiteren Rehabilitationsprozess zu starten.

Täglich trifft sich deshalb das ganze Team der Intensivstation 19 Ost, bestehend aus den Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Pflegenden und dem ärztlichen Personal, zum sogenannten ‚Team-Timeout‘. Sie gehen die Situation jeder Patientin und jedes Patienten sorgfältig durch. Anschließend organisiert Bräunig seine Behandlungen mit den Pflegekräften, die für die einzelnen Patientinnen und Patienten verantwortlich sind. „Zuerst erheben wir den Gelenkstatus, ob der Patient beweglich ist oder es Einschränkungen gibt, und fangen an, die Arme und Beine des Patienten langsam zu bewegen – in Rückenlage, aber auch an der Bettkante mit technischem Geräteeinsatz“, erklärt der 52 Jahre alte Münsteraner. Ohne dieses ‚Durchbewegen‘ würden sich die Muskeln verkürzen und die Gelenke steif werden. Danach erfolgt die Atemtherapie: Zu zweit vertiefen die Physiotherapeuten die Atmung des Patienten, damit sich der Schleim in der Lunge löst und mithilfe eines speziellen kleinen Schlauchs abgesaugt werden kann. Auch beim Extubieren, dem Entfernen des Schlauchs für die künstliche Beatmung, sind die Physios im Einsatz. „Das ist Teamwork und ich kann aus meinem eigenen Alltag sagen: Wenn ich arbeite, habe ich das Gefühl, das jeder hinter mir steht“, sagt Bräunig, der inzwischen über 25 Jahre Erfahrung als Physiotherapeut hat.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie betreut er auch Patientinnen und Patienten, die aufgrund der Corona-Erkrankung auf die Intensivstation müssen. Das verlangt eine komplexe therapeutische Herangehensweise unter besonderen Bedingungen – aber bringt damit auch eine Herausforderung mit sich, der sich Jochen Bräunig gerne stellt. „Man muss für die Arbeit auf der Intensivstation brennen und das tue ich. Hier gibt es keine Kittel, wir tragen alle die gleiche Berufskleidung und es gibt keine Rangabzeichen. Jeder hat seinen Beitrag zu leisten, um gemeinsam den größten Erfolg zu erzielen.“

Marion Zahr | UKM-Unternehmenskommunikation

Marion Zahr

Leitung Externe Kommunikation