Hilfe bei komplexen Allergien: Patientin profitiert vom neuen Allergiezentrum Nord-West am UKM
Eine ganzheitliche, interdisziplinäre Versorgung von Menschen mit komplexen allergischen Erkrankungen – und neue Perspektiven für Patientinnen und Patienten, deren Beschwerden sich nicht in ein einzelnes Fachgebiet einordnen lassen: Dafür steht das neue Allergiezentrum Nord-West am Universitätsklinikum Münster (UKM). Susanne Stemmler ist Patientin im Zentrum und profitiert von der engen Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. | ik
Seit Jahrzehnten prägen Allergien den Alltag von Susanne Stemmler. Die 62-jährige Drensteinfurterin leidet seit ihrem 25. Lebensjahr an Heuschnupfen, einer Birkenpollenallergie mit Kreuzreaktionen auf Kernobst wie Äpfel und Nüsse. Eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) konnte die saisonalen Heuschnupfenbeschwerden deutlich bessern. Zusätzlich bestanden immer wiederkehrende Nasenpolypen. Sieben Operationen hat sie deshalb bereits hinter sich, hinzu kamen im Laufe der Jahre Asthma mit Husten und zunehmende Luftnot. „Meine Beschwerden haben sich über Jahre immer weiter ausgedehnt. Es war nie nur eine Allergie, sondern immer ein ganzes Bündel an Problemen“, berichtet Susanne Stemmler.
Besonders einschneidend war das Jahr 2024: Nach der Einnahme eines Antibiotikums aufgrund einer bakteriellen Entzündung im Hals erlitt sie einen anaphylaktischen Schock und musste notfallmäßig ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Ursache blieb zunächst unklar. Danach folgten drei weitere Notarzteinsätze nach Medikamenteneinnahme mit ähnlichen Beschwerden.
„Ob Kopf- oder Halsschmerzen, ich habe Angst bekommen, überhaupt Medikamente einzunehmen“, sagt Stemmler.
Erst die Überweisung an das UKM brachte Klarheit. Im Dezember 2025 diagnostizierte das ärztliche Personal eine weitere Allergie – gegen Aminopenicilline. „Eine echte Allergie gegen Aminopenicilline ist tatsächlich seltener als angenommen, obwohl viele Menschen denken, sie seien allergisch; nur etwa 1 Prozent der Bevölkerung hat eine echte, bestätigte Penicillin-Allergie, während bis zu 10 Prozent eine solche berichten“, erklärt Zentrumssprecher und Leiter der Allergologie der Hautklinik, Dr. Mathias Sulk. Aufgrund der Vielzahl ihrer Symptome und Vorerkrankungen wurde Susanne Stemmler im neu gegründeten Allergiezentrum Nord-West aufgenommen. „Hier hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass alles zusammen betrachtet wird – Nase, Lunge, Haut und auch die Vorgeschichte“, sagt die Patientin. Am UKM wurde Stemmler ein Allergiepass ausgestellt, in dem genau vermerkt ist, welche Allergien vorliegen.
Das Allergiezentrum Nord-West wurde im Oktober 2025 am UKM gegründet. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten mit allergischen Erkrankungen umfassend und koordiniert zu versorgen. Beteiligt sind unter anderem die Klinik für Hautkrankheiten, die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde sowie die Medizinischen Kliniken A, B und D, darunter die Pneumologie. Auch die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, die Psychosomatische Medizin und das Zentrallabor sind eingebunden.
„Allergische Erkrankungen können sich an sehr unterschiedlichen Organsystemen äußern – an den Atemwegen, der Haut oder im Magen-Darm-Trakt“, erklärt Sulk. „Gerade bei komplexen Verläufen ist eine präzise Diagnostik und Therapie nur im engen Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen möglich.“
Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein zentraler Vorteil des Zentrums. Regelmäßige Fallkonferenzen und klare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sorgen für abgestimmte Behandlungswege. „Wir schaffen Strukturen, in denen Fachärztinnen und Fachärzte ihre Perspektiven bündeln können, um gemeinsam die bestmögliche Versorgung zu erreichen“, so Sulk.
Auch Dr. Inga Nierkamp, stellvertretende Zentrumssprecherin und Oberärztin der HNO-Klinik, betont den Nutzen für die Betroffenen: „Patientinnen wie Frau Stemmler haben oft eine lange Leidensgeschichte. Durch die enge Verzahnung der Disziplinen können wir Zusammenhänge erkennen und Therapien individuell aufeinander abstimmen.“
Für Susanne Stemmler bedeutet das konkret die Abklärung einer neuen Behandlungsoption: In Zukunft wird der Einsatz einer Antikörpertherapie mit sogenannten Biologika geprüft. Diese setzt gezielt an Entzündungsprozessen des Immunsystems an und kann mehrere Beschwerden gleichzeitig lindern. „In erster Linie soll die Therapie meine Beschwerden im Bereich Nase, Nasennebenhöhlen und das Asthma verbessern“, sagt Stemmler. „Ich bin zuversichtlich, dass sich meine Lebensqualität dadurch deutlich steigert.“ Das Allergiezentrum Nord-West hat die Zertifizierung zum Comprehensive Allergy Center beantragt, das Prüfverfahren ist für April geplant.
Kontakt für Fragen
Ärzte und Patienten können sich über allergiezentrum(at)ukmuenster.de zur Abklärung ihres Falls an das AZNW wenden.
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Anja Wengenroth
Pressesprecherin

