Hoffnung bei aggressivem Hautkrebs: Kombinierte Immuntherapie zeigt Wirkung
Nach der Diagnose „Merkelzellkarzinom“ ließ sich Dr. Erhard Mietzner im UKM-Hauttumorzentrum am WTZ Münster behandeln. Dank einer innovativen Therapie, bei der zwei Wirkstoffe zum Einsatz kommen, spricht der Tumor nun deutlich auf die Behandlung an. | lie

Eigentlich fiel Dr. Erhard Mietzner die kleine Verhärtung am rechten Oberschenkel eher zufällig auf. „Beim Abtrocknen habe ich gemerkt, dass da etwas unter der Haut ist“, erinnert sich der 77-jährige Sprachwissenschaftler aus Bocholt. Zunächst dachte er sich nichts dabei. Doch als sich die Stelle vergrößerte, suchte er seinen Hausarzt auf. Dieser überwies ihn zum Chirurgen, der das Gewebe entfernte und untersuchen ließ. Die Diagnose: Merkelzellkarzinom – eine seltene, aber besonders aggressive Form von Hautkrebs.
Der Tumor konnte operativ entfernt werden, doch im weiteren Verlauf wurden befallene Lymphknoten entdeckt. Schließlich stellte sich Mietzner im Hauttumorzentrum des WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster am UKM (Universitätsklinikum Münster) vor. Dort besprachen Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen den Fall in einer interdisziplinären Tumorkonferenz und legten gemeinsam das weitere Vorgehen fest. Zunächst erhielt der Patient eine Immuntherapie mit dem Wirkstoff Avelumab, der Mechanismen blockiert, mit denen sich Krebszellen vor dem Immunsystem verstecken.
„Solche Antikörper lösen gewissermaßen die Bremsen des Immunsystems, sodass körpereigene Abwehrzellen den Tumor wieder erkennen und angreifen können“, erklärt Prof. Carsten Weishaupt, Leiter des UKM-Hauttumorzentrums.
Nachdem sich im Verlauf erneut Tumorabsiedlungen zeigten, entschieden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, die Therapie umzustellen und eine kombinierte Immuntherapie mit den Wirkstoffen Nivolumab und Ipilimumab zu beginnen. Dabei kommen gleich zwei der sogenannten Checkpoint-Inhibitoren zum Einsatz, die an unterschiedlichen Stellen des Immunsystems wirken und dessen Aktivität gegen den Tumor verstärken. Die Behandlung begann im Sommer 2025. Zunächst erhielt der Bocholter vier kombinierte Infusionen. Endlich zeigte die Therapie die gewünschte Wirkung: Die Tumorherde bildeten sich deutlich zurück. „Wir sehen ein sehr gutes Ansprechen“, berichtet Weishaupt. „Das ist besonders erfreulich, weil das Merkelzellkarzinom eine sehr aggressive Tumorerkrankung sein kann.“ Inzwischen wird die Therapie mit nur einem der beiden Wirkstoffe, mit Nivolumab, fortgeführt. Die Behandlung verträgt Mietzner so gut, dass er im Alltag kaum Einschränkungen spürt: „Ich hatte zunächst ein bisschen Sorge wegen möglicher Nebenwirkungen. Aber eigentlich geht es mir sehr gut. Nur am Tag der Infusion bin ich manchmal etwas müde“, sagt der Sprachwissenschaftler. „Ich kann weiterhin alles machen, was ich vorher auch gemacht habe.“
Das Merkelzellkarzinom zählt mit weniger als 400 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland zu den seltenen Tumorerkrankungen der Haut. Häufig tritt es bei älteren Menschen auf und kann sich rasch ausbreiten. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören unter anderem UV-Strahlung und ein geschwächtes Immunsystem. Bei Mietzner spielte vermutlich Letzteres eine wichtige Rolle. Bei ihm war bereits einige Jahre zuvor eine chronisch lymphatische Leukämie (CLL) diagnostiziert worden – eine Erkrankung des blutbildenden Systems, die das Immunsystem beeinträchtigen kann. „Gerade beim Merkelzellkarzinom ist ein funktionierendes Immunsystem besonders wichtig, um den Tumor in Schach zu halten“, erklärt Weishaupt. „Wenn die körpereigene Abwehr geschwächt ist, kann sich der Tumor schneller entwickeln.“
Gerade deshalb setzen viele moderne Therapiekonzepte darauf, das körpereigene Abwehrsystem gezielt zu aktivieren. „Die Immuntherapie hat die Behandlungsmöglichkeiten bei vielen Krebsarten in den vergangenen Jahren deutlich erweitert“, so Weishaupt. „Sie wirkt nicht bei allen Patientinnen und Patienten – aber wenn sie anschlägt, kann sie den Krankheitsverlauf deutlich verbessern und gleichzeitig eine gute Lebensqualität ermöglichen.“
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Anja Wengenroth
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