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Kleine Tiere, viele Fragen: UKM-Expertin über Zecken, FSME und Borreliose

Ob im Garten, beim Spaziergang oder auf Reisen: Zecken können im Sommer schnell zum unliebsamen Begleiter werden. Dr. Catharina Korsukewitz, Funktionsoberärztin der Neurologie am UKM (Universitätsklinikum Münster), erklärt im Interview, wann und warum Zecken gefährlich werden und wie man sich wirksam schützt. | lwi

Anders als Nord-, Ost- oder Südeuropa und weite Teile Süddeutschlands ist das Münsterland kein FSME-Risikogebiet. In unserer Region fällt aber das südliche Emsland darunter, und in NRW der Stadtkreis Solingen. Doch weil Zecken auf Wiesen und in hohen Gräsern sitzen, lauern sie mitunter auch im heimischen Garten. Gibt es bei uns eigentlich tatsächlich mehr Zecken als noch vor einigen Jahren?

Dr. Catharina Korsukewitz: Durch den Klimawandel sind mehr Zecken aktiv – und sie treten vor allem früher im Jahr auf. Neben der in Deutschland häufigsten Zeckenart, dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), kommen inzwischen auch Zeckenarten vor, die bislang eher aus Asien bekannt waren.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen? 

Korsukewitz: Zecken können verschiedene Bakterien und Viren übertragen. In Deutschland sind vor allem die Borreliose, eine Bakterienerkrankung, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) relevant. Seltener werden auch andere Erreger wie Babesien, Rickettsien oder Anaplasmen übertragen. Bestimmte Zeckenarten können zudem weitere, bislang seltene Erkrankungen wie das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber übertragen.

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, wohl aber gegen FSME. Wem raten Sie dazu?

Korsukewitz: Eine FSME-Impfung empfehle ich vor allem Menschen, die in Risikogebieten leben oder sich dort länger aufhalten. Das gilt auch für Kinder, die viel draußen spielen, sowie für Personen, die beruflich oder privat häufig in der Natur unterwegs sind, etwa bei Wald- und Wiesenaufenthalten. Da es sich um eine Totimpfung handelt, ist sie grundsätzlich auch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem möglich, die Wirksamkeit kann dann jedoch reduziert sein. Nach einer FSME-Erkrankung besteht vermutlich ein längerfristiger Schutz – eine durchgemachte Borreliose schützt dagegen nicht vor einer erneuten Infektion. 

Wie kann man sich darüber hinaus am besten schützen? 

Korsukewitz: Das Risiko lässt sich durch geeignete Kleidung reduzieren: lange Hosen, die in die Socken gesteckt werden, und feste Schuhe erschweren Zecken den Zugang zur Haut. Auf heller Kleidung sind sie zudem leichter zu erkennen. Da Zecken oft eine Weile über den Körper wandern, bevor sie zustechen, sollte man sich nach Aufenthalten in der Natur gründlich absuchen. Besonders bevorzugen sie geschützte Stellen wie Achselhöhlen oder Kniekehle, aber auch den Haaransatz oder vor den Ohren, im Genitalbereich oder unter dem Uhrenarmband. Wenn die Zecke noch nicht zugestochen hat, kann man sie manchmal beim Duschen abwaschen, das ist aber nicht zuverlässig. Repellente, also Insektenschutzmittel, können das Risiko für eine gewisse Zeit senken, aber nicht das Absuchen ersetzen. Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie möglichst zeitnah entfernt werden – am besten mit einer Pinzette hautnah am Einstich, an den Mundwerkzeugen und nicht am Hinterleib. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borrelienübertragung.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenbiss krank zu werden? 

Korsukewitz: Bei der FSME handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung. Im Jahr 2025 wurden laut Robert-Koch-Institut deutschlandweit 693 Fälle gemeldet. Diese Zahl schwankt von Jahr zu Jahr, insgesamt ist jedoch eine Zunahme zu beobachten. Die Erkrankung ist insgesamt vergleichsweise selten und nicht jeder Infizierte wird symptomatisch. Sie tritt vor allem in ausgewiesenen Risikogebieten auf. Da der Test auf FSME im Allgemeinen nicht bei grippalen Symptomen, sondern erst bei Symptomen des zentralen Nervensystems gemacht wird, ist davon auszugehen, dass nahezu alle Patienten mit nachgewiesener FSME in Kliniken behandelt werden.

Borreliose kommt deutlich häufiger vor, genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, da sie nicht bundesweit meldepflichtig ist. Das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Vereinigung schätzte die Zahl der Borreliosefälle 2018 auf über 300.000. Viele Infektionen verlaufen unkompliziert oder können frühzeitig hausärztlich behandelt werden. Eine Behandlung im Krankenhaus ist nur bei bestimmten Verläufen erforderlich.

Woran erkennen Betroffene selbst eine Borreliose oder FSME?

Korsukewitz: Eine Infektion muss nicht immer Beschwerden verursachen. Typisch für eine frühe Borreliose ist eine sich vergrößernde Rötung rund um die Einstichstelle und Lymphknotenvergrößerungen. Im weiteren Verlauf können auch Gelenkschwellungen, neuropathische Beschwerden, zentralnervöse Beschwerden oder Gesichtsnervlähmungen auftreten. Sehr selten gibt es einen kardialen Befall. Es ist eine sehr „bunte“ Erkrankung.

Eine FSME verläuft häufig (75 bis 90 Prozent) ohne Symptome. Wenn nach etwa sieben bis zehn Tagen Beschwerden auftreten, ähneln sie zunächst einer Grippe. In schwereren Fällen können neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Etwa ein Prozent der Erkrankungen bei FSME verläuft tödlich.

Was für Therapien gibt es?

Korsukewitz: Eine Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden, häufig kommen dabei Wirkstoffe wie Doxycyclin oder Cephalosporine zum Einsatz. Wichtig ist, die Erkrankung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Gegen FSME gibt es keine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung konzentriert sich daher vor allem darauf, die Beschwerden zu lindern.

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