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Lange Fahrt, langer Flug, erhöhtes Thromboserisiko? Was Reisende wissen sollten

Ob im Flugzeug, Auto oder Zug: Wer über viele Stunden nur sitzt, erhöht sein Risiko für eine Thrombose. Betroffen sind dabei nicht nur ältere Menschen, sondern auch bei Jüngeren kann das Risiko steigen. Zum Start der Sommerferien erklärt Prof. Dr. Nasser Malyar, Sektionsleiter der Angiologie an der Kardiologischen Klinik I am UKM, welche Warnzeichen Reisende kennen sollten und wie sich das Risiko wirksam senken lässt. | fh

Herr Prof. Malyar, was genau ist eigentlich eine Thrombose?

Bei einer Thrombose bildet sich in einer Vene – meistens in den unteren Extremitäten – ein Blutgerinnsel, das den Blutfluss behindert oder sogar vollständig verschließt. Gefährlich wird es, wenn sich Teile dieses Gerinnsels lösen und über den Blutkreislauf in die Lunge gelangen. Dann kann es zu einer Lungenembolie kommen, die lebensbedrohlich sein kann.

Warum steigt das Risiko gerade auf längeren Reisen?

Wenn wir uns bewegen, unterstützt die Muskulatur in den Beinen den Rücktransport des Blutes zum Herzen. Diese sogenannte Muskelpumpe fällt bei langem Sitzen weitgehend weg. Das Blut fließt langsamer und kann sich in den Beinvenen stauen. In Kombination mit weiteren Risikofaktoren kann dadurch eine Thrombose entstehen.

Welche Faktoren sind das?

Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem angeborene Gerinnungsstörungen, Krebserkrankungen, Immobilität (z.B. nach einer Operation), Rauchen, starkes Übergewicht oder die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel.

Betreffen Thrombosen nur ältere Menschen?

Nein. Zwar nimmt das Risiko mit wachsendem Alter zu, grundsätzlich können jedoch Menschen jeden Alters betroffen sein. Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, die die genannten Risikofaktoren mitbringen. 

Ab wann wird langes Sitzen problematisch?

Einen festen Grenzwert gibt es nicht. Nach aktuellen Erkenntnissen steigt das Risiko jedoch bereits nach etwa vier Stunden weitgehender Immobilität an. Besonders lange Reisen von acht bis zehn Stunden oder mehr gelten als kritisch.

Ist das Risiko im Flugzeug höher als im Auto oder in der Bahn?

Nein, entscheidend ist nicht das Verkehrsmittel, sondern die Dauer der Bewegungslosigkeit. Wer viele Stunden sitzt, hat grundsätzlich ein erhöhtes Risiko – unabhängig davon, ob die Reise im Flugzeug, Auto oder Zug stattfindet.

Welche Warnsignale sollten Reisende kennen?

Typische Anzeichen einer Thrombose sind einseitige Schwellungen des Beins, Schmerzen oder Spannungsgefühl, Rötungen, Überwärmung der betroffenen Stelle. Treten solche Symptome auf, sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden. Besonders ernst wird es, wenn zusätzlich zu den Beschwerden im Bein plötzlich Atemnot, Husten, Brustschmerzen oder Herzrasen auftreten. Das kann auf eine Lungenembolie hinweisen und ist ein medizinischer Notfall. In diesem Fall sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Wie kann man sich auf Reisen schützen?

Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung. Wer länger unterwegs ist, sollte regelmäßig aufstehen, einige Schritte gehen oder zumindest die Füße bewegen und kreisen lassen. Im Flugzeug kann die Buchung eines Gangplatzes sinnvoll sein, um häufiger aufstehen zu können. Für Menschen mit erhöhtem Risiko können zudem medizinische Kompressionsstrümpfe vorbeugend und sinnvoll sein. Wer bereits eine Thrombose oder Lungenembolie hatte oder an einer Krebserkrankung leidet, sollte vor längeren Reisen mit seiner Ärztin oder seinem Arzt über zusätzliche Schutzmaßnahmen sprechen.

Spielt auch die Sommerhitze eine Rolle?

Hitze gilt zwar nicht als eigenständiger Risikofaktor für Thrombosen. Durch verstärktes Schwitzen verliert der Körper jedoch Flüssigkeit. Wird zu wenig getrunken, kann das Blut zähflüssiger werden und sich das Risiko zusätzlich erhöhen. Ausreichendes Trinken ist daher gerade an heißen Reisetagen besonders wichtig. Die wichtigste Botschaft für Reisende lautet: Nicht stundenlang sitzen bleiben. Denn oft reichen schon kleine Bewegungseinheiten aus, um das Risiko einer Reisethrombose deutlich zu senken. 

Kontakt für Presseanfragen

Anja Wengenroth | UKM-Unternehmenskommunikation

Anja Wengenroth

Pressesprecherin