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„Wir müssen medizinische Konzepte zusammen-denken“: Prof. Sven Meuth übernimmt die Klinik für Neurologie am UKM

Univ.-Prof. Sven Meuth hat zum 1. Februar die Leitung einer der größten Kliniken des UKM (Universitätsklinikum Münster) übernommen. Der 48-Jährige war zuletzt knapp sechs Jahre Direktor der Neurologie an der Uniklinik Düsseldorf (UKD) und davor zehn Jahre lang als Fach- und Oberarzt in der Neurologie am UKM tätig. Nun kehrt der ausgewiesene Experte für Neuroimmunologie nach Münster zurück – mit einem klaren Anspruch: „Wir müssen medizinische Konzepte zusammendenken. Das geht nicht allein, sondern nur gemeinsam mit allen relevanten Beteiligten.“. | aw

Wie ernst er diesen Anspruch nimmt, zeigt sich schon früh am Dienstagmorgen. Um 6.45 Uhr trifft sich Meuth auf der neuen Intensivstation 10 West im Zentralklinikum zur interdisziplinären Visite mit der Neurochirurgie und der Anästhesiologie. „Wir haben mit meinem Amtsantritt die neurologischen und neurochirurgischen Behandlungen auf einer gemeinsamen Intensivstation zusammengeführt, unter Koordination durch und in enger Zusammenarbeit mit unserer Anästhesie“, sagt Meuth. „Wenn wir alle die Patientinnen und Patienten aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, ist das für mich universitäre Medizin.“ Dass sich die Beteiligten dafür wöchentlich freiwillig so früh verabreden, wertet er als starkes Signal: „Dieses feste ,Date‘ um 6.45 Uhr macht mir wirklich Spaß – weil es zeigt, wie sehr wir uns gegenseitig schätzen.“ Auch während seiner Jahre in Düsseldorf hielt Meuth den engen fachlichen und persönlichen Kontakt nach Münster. Umso mehr freut ihn die Rückkehr: „Ich empfinde es als großes Kompliment, wenn mir Kolleginnen und Kollegen signalisieren, dass sie sich über meine Rückkehr freuen.“

Univ.-Prof. Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, gratulierte Meuth zum Amtsantritt. Er hebt vor allem dessen kooperativen Ansatz hervor: 

„Sven Meuth denkt vernetzt. Ihn leitet die Frage: ‚Wie kommt der richtige Patient zur richtigen Zeit an den richtigen Ort?‘ Genau dieses Denken brauchen wir in Zeiten in denen multidisziplinäre und regionale Versorgung zentral stehen.“ 

Nicht jeder Patient müsse in einer Uniklinik behandelt werden, betont Friedrich: „Der komplexe Schlaganfall soll direkt zu uns kommen. Andere Patienten können dagegen wohnortnah gut versorgt werden. Zudem arbeiten wir telemedizinisch zusammen, wenn unsere Expertise vor Ort hilfreich ist.“ Die Perspektive sei klar: „Die Zukunft der Medizin liegt in trägerübergreifenden, überregional vernetzten Behandlungszentren, in denen Wissen aus der unserer Forschung direkt zum Vorteil der Patienten einfließen kann. Herr Meuth steht genau hierfür.“

Die Klinik für Neurologie am UKM zählt seit Jahren zu den führenden Adressen des Fachs in Deutschland. Schwerpunkte liegen unter anderem in der Multiplen-Sklerose-Forschung, bei Parkinson, neuromuskulären Erkrankungen und Dysphagie. Meuth bringt es auf den Punkt: „Dass von hier regelmäßig Kolleginnen und Kollegen auf andere Lehrstühle berufen werden, spricht für die Qualität des Standorts.“ Die Kombination aus exzellenter Forschung und hochwertiger Lehre sei entscheidend: „Wir sind ein ,Durchlauferhitzer‘ für neurologische Spitzenforschung, die ans Behandlungsbett gebracht wird.“

Klinisch will Meuth vor allem das Angebot für neuromuskuläre Erkrankungen weiter ausbauen. „Der Bedarf wächst – und gleichzeitig eröffnen sich neue therapeutische Möglichkeiten“, sagt er. Auch Botoxbehandlungen, etwa nach Schlaganfällen, sollen künftig in Münster ausgebaut werden. Parallel treibt Meuth seinen neuroimmunologischen Forschungsschwerpunkt voran – unter optimalen Bedingungen im Forschungsgebäude „Body & Brain“: „Der Impuls zu ,Body & Brain‘ kam im Wesentlichen aus der Neurologie“, erklärt er. „Heute bietet das Gebäude eine Klammer, um mit anderen Disziplinen ins Gespräch zu kommen – ganz im Sinne von ,science over a cup of coffee‘.“ Genau dort entstünden neue Ideen: 

„Man schaut über den eigenen Tellerrand – und plötzlich passieren Dinge, die uns alle weiterbringen.“ 

So sollen künftig etwa die Herz-Hirn-, Darm-Hirn- oder Nieren-Hirn-Achse disziplinübergreifend erforscht und neuro-organisch gesteuerte Prozesse besser verstanden werden.

Um die breite neurowissenschaftliche Expertise forscherisch zu bündeln, hat Meuth zusammen mit anderen Neurowissenschaftlern des UKM und der Universitätsmedizin Mainz einen Transregio Sonderforschungsbereich auf den Weg gebracht. Aktuell befindet sich der SFB zur „Dynamische Interaktion von Netzwerken“ in Begutachtung. 
Gerade in den Neurowissenschaften seien die Disziplinen besonders eng verzahnt, betont Meuth – das zeige sich etwa in der Schlaganfallversorgung:
„Die ideale Kette reicht von der sofortigen Thrombektomie über die Stroke Unit bis hin zur neurochirurgisch-operativen Versorgung und anschließender Überwachung auf unserer gemeinsamen Intensivstation.“ Sein Fazit ist selbstbewusst: „Wenn diese Kette funktioniert, gibt es kaum einen Ort in Deutschland, an dem Patientinnen und Patienten besser versorgt sind.“ Und genau darin liege das Ziel: „Unser Fach interdisziplinär zusammenzudenken und alle Expertisen zusammenzuführen.“

Privat lebt Sven Meuth mit seiner Frau und zwei Töchtern in Münster – auch während seiner Zeit in Düsseldorf blieb die Familie der Stadt treu. „Ich genieße den glücklichen Umstand, dass Stadt und berufliches Umfeld für mich kaum besser passen könnten“, sagt er.
 

Kontakt für Presseanfragen

Anja Wengenroth | UKM-Unternehmenskommunikation

Anja Wengenroth

Pressesprecherin