Zum Welt-Lupustag (10. Mai): Antikörpertherapie hilft in schweren Fällen von systemischem Lupus erythematodes
Der klassische Patient oder eher die Patientin mit systemischen Lupus erythematodes ist weiblich. 80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen im gebärfähigen Alter, was eine hormonelle Komponente bei der Entstehung von systemischem Lupus erythematodes (auch SLE genannt) zumindest nahelegt. Während eine von etwa 1.000 Frauen im Schnitt in Europa an Lupus erkrankt, ist es im Vergleich nur einer von 10.000 Männern. Doch natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel: Mika Riehemann ist ein junger Mann (24), bei dem die Erkrankung vor zwei Jahren ausbrach und einen besonders schweren Verlauf nahm. Erst ein Therapieversuch mit dem monoklonalen Antikörper Obinutuzumab brachte die Wende. | aw
Als Mika Riehemann im Sommer 2024 erste gesundheitliche Auswirkungen des später diagnostizierten Lupus bemerkte, schob er seine steifen und geschwollenen Finger auf den Prüfungsstress und kümmerte sich zunächst nicht weiter darum. Denn der Maschinenbautechniker stand gerade mitten in seinem Abschlussprojekt. Seine Symptome konnte er damals noch nicht zuordnen, doch sein Zustand verschlechterte sich deutlich in einem längeren Urlaub nach seiner Prüfung. Müde, abgeschlagen, mit krustigen Ohren und einem sich über die Nase ausbreitendem Erythem stellte er sich zunächst bei seiner Hautärztin vor, die ihn sofort an die UKM-Hautklinik überwies. Die Serologie zeigte, dass die Lupus-spezifischen Autoantikörper sowie die Entzündungswerte extrem hoch waren. Parallel zur für einen jungen Mann sehr ungewöhnlichen Diagnose Lupus ergab die Blutuntersuchung auch, dass der Patient an einer Virusinfektion mit dem Parvovirus B19 litt. Priv.-Doz. Dr. Jan Ehrchen, Leiter des Bereichs Autoimmunerkrankungen, überwies ihn zur Mitbehandlung an die UKM-Rheumatologie. Deren Leiter, Prof. Martin Kriegel, forscht zu Lupus. Seine Stellvertreterin, Priv.-Doz. Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, untersucht die Rolle von Infektionen bei Autoimmunerkrankungen. Eine vorteilhafte Fügung in diesem Fall.
„Warum der Körper sich bei Lupus oder bei anderen Autoimmunerkrankungen gegen sich selbst richtet, ist noch nicht ganz verstanden“, sagt Hasseli-Fräbel.
„Bei Herrn Riehemann wissen wir am Ende nicht, ob der Lupus durch die überschießende Virus-Infektion ausgelöst wurde oder ob seine Symptome durch das Virus verstärkt wurden. Fakt ist, dass seine Werte nach einer normale Standard-Therapie gegen Lupus unter anderem mit Kortison nach sechs Wochen schlechter waren als vorher. Und auch die Gabe von Immunglobulinen gegen das Parvovirus half nicht.“
Der heute 24-Jährige wurde so krank, dass er nicht mehr arbeiten konnte, der Lupus manifestierte sich auch in den Organen, was zu einer lebensbedrohlichen Herzbeutelentzündung und Nierenbeteiligung führte. „Ich lag nur zuhause, konnte mich kaum noch selbst fortbewegen und fühlte mich extrem schlecht“, sagt der passionierte Hobby-Fußballer. An Fußball oder anderen Sport war in diesem Zustand nicht zu denken - gleichzeitig waren alle zugelassenen Therapien bei Lupus ausgereizt. Laut der behandelnden Assistenzärztin Dr. Nadine Al-Azem eine äußerst ernste Situation, die eine innovative Behandlung nötig machte: „Wir hatten zeitgleich einen anderen, ebenfalls männlichen, jungen Patienten, bei dem wir erste gute Erfahrungen mit einer neuartigen Antikörper-Infusionstherapie gemacht haben. Also wurde Herr Riehemann unser zweiter Patient. In keinem anderen deutschen Rheumazentrum wurde zu diesem Zeitpunkt Patienten außerhalb von Studien mit Obinutuzumab behandelt, so heißt der monoklonale Antikörper.“
Seither wird der junge Mann nun in halbjährlichen Zyklen mit der Infusionstherapie behandelt. Zunächst musste er jedes Mal stationär aufgenommen werden, jetzt wird die Infusion ambulant über mehrere Stunden verabreicht. Die Wirkung war schon nach der ersten Gabe beeindruckend: „Inzwischen sind zwar noch Lupus spezifische Auto-Antikörper nachweisbar.
Aber die Laborwerte zeigen, dass wir den Lupus durch die Therapie in Schach halten können und klinisch auf ein gut behandelbares Minimum zurückdrängen konnten“, so Hasseli-Fräbel.
Entsprechend sind die Symptome von Mika Riehemann deutlich weniger ausgeprägt: Inzwischen befindet er sich in der Wiedereingliederungsphase im Job und spielt sogar schon wieder Fußball. „Dafür fahre ich gerne alle drei Monate ans UKM und verbringe den Tag hier“, verrät er.
Der monoklonale Antikörper Obinutuzumab ist inzwischen als Standardtherapie bei Lupus mit Nierenbeteiligung zugelassen, so dass schon weitere Patientinnen und Patienten von der innovativen Behandlung profitieren konnten. „Wir hoffen, dass Obinutuzumab neben den Standardtherapien vielen weiteren Patientinnen und Patienten dabei helfen kann, dass langfristig eine Remission ihrer Erkrankung erreicht werden kann“, hofft Hasseli-Fräbel.
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Anja Wengenroth
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