Zwischen Fürsorge und Forschung: Wie Cristina Pérez Tirado die Pflege am UKM weiterentwickelt
Zum Tag der Pflege (12.05.) zeigt das UKM (Universitätsklinikum Münster), wie vielfältig und anspruchsvoll der Pflegeberuf heute ist. Pflegeexpertin APN Cristina Pérez Tirado begleitet Kinder und ihre Familien durch herausfordernde Situationen – und steht zugleich für neue Karrierewege, internationale Vielfalt und eine Pflege, die sich konsequent weiterentwickelt. | ik
Schon am frühen Morgen ist auf der interdisziplinären Kinderstation 14 B West am UKM einiges los. Aus den Zimmern dringen Kinderstimmen, Eltern gehen über den Flur. In einem Patientenzimmer kniet Cristina Pérez Tirado neben einem kleinen Jungen. An seinem Bein trägt er einen externen Fixateur – übersät mit bunten Ansteckern: ein Frosch, eine Ente, ein Flamingo. Sie lächelt und reicht ihm einen weiteren Pin, diesmal in Form eines Pinguins. Vorsichtig befestigt er ihn. Ein kurzer Moment der Freude – und der Krankenhausaufenthalt wirkt ein Stück weniger beängstigend.
Cristina Pérez Tirado ist Pflegeexpertin APN (Advanced Practice Nurse). Ihr Karriereweg ist alles andere als selbstverständlich – und steht exemplarisch für den Wandel eines Berufsbildes, das sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat. Nach ihrem Bachelorstudium in der Pflege in ihrem Heimatland Spanien zog sie 2016 nach Deutschland. Der Neustart war herausfordernd – vor allem die Sprachbarriere machte den Alltag schwierig. „Ich war so frustriert, dass ich häufig nicht verstanden wurde“, erzählt sie rückblickend. Medizinisches Fachvokabular fehlte, Missverständnisse waren an der Tagesordnung. „Ich war bestens ausgebildet, konnte mich aber nicht richtig ausdrücken.“
Heute ist davon wenig zu spüren. Die 37-Jährige hat nicht nur ihren Bachelorabschluss anerkennen lassen und später ein Masterstudium in Spanien abgeschlossen, das ebenfalls anerkannt wurde. Sie hat sich auf die orthopädische Versorgung von Kindern, insbesondere bei komplexen Behandlungen mit externen Fixateuren, spezialisiert. Als eine von aktuell insgesamt 21 Pflegeexpertinnen und -experten APN am UKM verbindet sie Praxis mit Wissenschaft: Sie analysiert und entwickelt Versorgungsprozesse auf der Station weiter, stärkt die interprofessionelle Zusammenarbeit und bringt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die klinische Praxis ein.
Pérez Tirado begleitet Kinder und ihre Familien durch den gesamten Behandlungsprozess. Gerade bei Eingriffen, die mit Angst und Unsicherheit verbunden sind, ist diese kontinuierliche Betreuung entscheidend. „Es geht nicht nur um die medizinische Versorgung, sondern darum, Sicherheit zu geben“, beschreibt sie ihre Arbeit. Ein Ansatz, der sich auch im Projekt „Teddybärklinik“, das sie im Rahmen ihrer Tätigkeit als Bachelor in klinischer Pflege entwickelt hat, widerspiegelt. Spielerisch werden Kinder am Tag vor einer Operation auf den Eingriff vorbereitet: Was passiert im OP? Wo bleiben die Eltern? Wie fühlt es sich danach an? Der Teddybär wird dabei selbst zum „Patienten“. Ein einfaches Konzept mit großer Wirkung. Aktuell pausiert die „Teddybärklinik“ im Zuge der Vorbereitungen auf den anstehenden Umzug der Station im Rahmen der Großsanierung am UKM* die Idee bleibt jedoch ein prägender Bestandteil ihrer Arbeit.
„Wenn ich die Tür aufmache und die Kinder sich freuen, dass ich wieder da bin, dann weiß ich, warum ich das mache.“
Als internationale Pflegefachperson engagiert sie sich zudem seit zwei Jahren als Kulturbotschafterin. Sie begleitet neue internationale Fachkräfte am UKM während ihres gesamten Anerkennungsprozesses, unterstützt bei sprachlichen und kulturellen Fragen, vermittelt Orientierung im deutschen Gesundheitssystem und fördert die Integration ins Team. Ihre eigene Erfahrung ist dabei ein zentraler Antrieb. „Ich weiß, wie sich dieser Anfang anfühlt, und möchte Mut machen“, sagt sie.
In diesem Jahr feiert Pérez Tirado ein persönliches Jubiläum: Vor zehn Jahren kam sie nach Deutschland. Für sie ist dieser Weg eng mit dem UKM verbunden.
„Ich bin hier am UKM gewachsen – als Pflegefachperson und als Mensch.“
Info: Das Projekt Kulturbotschafter*innen der Abteilung „Internationale Pflegekräfte“ am UKM (Universitätsklinikum Münster) ist kürzlich vom Deutschen Krankenhausinstitut e.V. als wegweisendes Modell zur Weiterentwicklung der Pflege im Krankenhaus besonders hervorgehoben worden. Die Kulturbotschafterinnen und -botschafter am UKM unterstützen Mitarbeitende mit eigener Migrationserfahrung bei der Integration internationaler Kolleginnen und Kollegen im Anerkennungsprozess. Die Arbeit ist von einer besonderen Vertrauensbasis geprägt, führt zu einer stärkeren Sichtbarkeit internationaler Pflegefachkräfte im Haus und fördert Selbstbewusstsein und Rollenverständnis.
*Hintergründe: siehe PM 10.11.2025: „Die Sanierung des Ostturms ist weit mehr als ein Bauprojekt“
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Anja Wengenroth
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